12. Mai – Tag der Pflegenden
Schluss mit Reden – mehr Personal – wir lassen nicht locker!
Unter diesem bundesweiten Motto haben wir am 12.Mai auch in Karlsruhe einen erfolgreichen internationalen Tag der Pflegenden veranstaltet.
Was hat sich geändert für die Pflegenden gegenüber dem letzten Jahr? Es gibt eine neue Bundesregierung mit neuen Versprechungen, aber es hat sich nichts geändert. Die gleiche prekäre Arbeits- und Personalsituation in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, die PPR 2.0 von der Ampel im Programm versprochen, aber nicht durchgeführt, Maßnahmen zur Entlastung – Fehlanzeige, bessere Bezahlung – Fehlanzeige. Es bleibt den Pflegenden nichts anderes übrig, als weiter selbst dafür zu kämpfen.
Und das tun sie: In NRW haben 6 Unikliniken nach dem Vorbild von Berlin gemeinsam ein 100-Tage-Ultimatum gestellt zur Realisierung eines Tarifvertrages Entlastung (TVE) unter der Losung „Notruf NRW“ und haben am 4.Mai mit Streiks begonnen, nachdem sich die Landesregierung nicht gerührt hat. Im TVE geht es vor allem um die Absicherung einer Mindest-Personalausstattung, um Belastungsausgleichsmaßnahmen (i.d.R. zusätzliche freie Tage) und um eine bessere Ausbildungsqualität.
Da uns dies in Karlsruhe genauso betrifft, hat sich Krankenhaus statt Fabrik zusammen mit Verdi nicht nur mit dem Notruf NRW solidarisiert, sondern auch den ganzen Tag mit verschiedenen Aktionen das Thema in die Öffentlichkeit gebracht. Zunächst veranstalteten die Verdi-Aktiven am Klinikum eine „aktive Mittagspause“, die sich mit Informationen an die Kolleg*innen richtete und bei der Christina und Marek sprachen, auch der Rundfunk war zugegen.
Am Nachmittag zogen wir mit einem veritablen Krankenhausbett durch die Karlsruher Innenstadt. Mit kurzen Sketchen haben wir auf die Situation in den Krankenhäusern aufmerksam gemacht und um Unterstützung geworben, da ja alle als Patienten von der Misere betroffen sein können.
Z.B. zeigten wir, wie eine Pflegekraft, die ja in Deutschland für 13 Patienten zuständig ist, unter der Belastung zusammenbricht. In einem weiteren Sketch bedankten sich verschiedene Pfleger*innen sarkastisch dafür, wie sie von der Politik im Stich gelassen werden. 
In einem dritten Sketch führten wir mit kostümierten „Vertretern“ der Ampelparteien vor, wie diese 100 Milliarden nur für Aufrüstung ausgeben, für die Pflege aber nichts übrig haben. 
Bei der Schlusskundgebung am Marktplatz sprachen unter der Moderation von Christina unter anderen Marek und Jürgen.

Den Abschluss des Tages der Pflegenden bildete eine gut besuchte Abendveranstaltung mit Anja Voigt, Intensivschwester aus Berlin, in der diese von dem wochenlangen Arbeitskampf berichtete und Faktoren für den Erfolg aufzeigte. Wichtige Erkenntnisse z.B.: Der für den Streikerfolg wesentliche hohe Organisationsgrad unter den Kolleg*innen wurde auch dadurch erreicht, dass die konkreten Entlastungsforderungen von den einzelnen Klinikbereichen, also von der Basis aus entwickelt und dann von der Tarifkommission übernommen und weitergegeben wurden. Ein anderer wichtiger Erfolgsfaktor war, dass es in Berlin gelang, Solidarität berufsgruppenübergreifend und auch außerhalb der Krankenhäuser bis weit in die Stadtgesellschaft hinein zu erzeugen, bekannt als die „Berliner Krankenhausbewegung“. 
Ein erfolgreicher Tag mit wertvollen Erkenntnissen für unsere künftige Arbeit: Wir lassen nicht locker!


