Grußwort am Tag gegen Gewalt an Frauen
Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles Schicksal, sondern Ausdruck eines patriarchalen Systems, das auf Unterdrückung, Kontrolle und ökonomischer Abhängigkeit beruht. Sie durchzieht alle gesellschaftlichen Bereiche — von der Familie über den Arbeitsplatz bis hin zu staatlichen Institutionen.
Am heutigen Tag gegen Gewalt an Frauen stehen wir gemeinsam auf: Gegen das Schweigen, gegen die Normalisierung, gegen die strukturelle Gewalt, die Frauen tagtäglich erfahren.
Das Gesundheitssystem trägt eine besondere Verantwortung. Es ist oft die erste Institution, die mit den Folgen von Gewalt konfrontiert wird — sei es in der Notaufnahme, in der Hausarztpraxis oder auf der Station.
Doch diese Begegnung darf nicht bei der Wundversorgung enden. Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das nicht nur heilt, sondern schützt. Ein System, das Gewalt erkennt, benennt und solidarisch handelt.
Das bedeutet:
- flächendeckende Schulungen für medizinisches Personal,
- klare Leitlinien für den Umgang mit Gewaltbetroffenen,
- sichere Räume ohne Täterkontakt,
- und eine enge Vernetzung mit feministischen Beratungsstellen und Schutzräumen.
Es bedeutet auch, dass Pflegekräfte, Ärzt*innen und Therapeut*innen nicht allein gelassen werden, sondern Teil eines kollektiven, politischen Auftrags sind:
Gewalt zu bekämpfen, nicht nur zu dokumentieren.
Wir kämpfen für ein Gesundheitssystem, das nicht dem Profit dient, sondern den Menschen. Für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit nicht ausgebeutet, sondern gewürdigt wird. Für feministische Solidarität, die nicht bei der Betroffenheit stehen bleibt, sondern in konkrete Veränderung mündet.
Denn jede Frau und jede Flinta hat das Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde. Und dieses Recht verteidigen wir — gemeinsam, laut und organisiert.
Bündnis Gesundheit statt Profite Karlsruhe


