Aktuelle Tarifrunde: Die Zeit für mehr Geld, Freizeit und Entlastung ist gekommen

Für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund
und Kommunen starten im Januar die Verhandlungen.

Entlastung ist für die Beschäftigten schon lange ein zentrales Thema. In den vergangenen Jahren konnte in TVE (Tarifverträgen Entlastung) in 27 Kliniken bereits erste Erfolge erzielt werden. Nun steht das Thema Entlastung zum ersten Mal im Fokus der aktuellen Tarifrunde des öffentlichen Dienstes. Durch Forderungen wie:

  • Das „Meine Zeit Konto“ (ein Wahlmodell, mit dem die Beschäftigten am Ende des Monats selbst entscheiden, ob sie das angesparte Guthaben ausgezahlt bekommen oder in Freizeit abbauten)
  • 3 Tage mehr Urlaub
  • 1 Bonus-Urlaubstag zusätzlich für ver.di Mitglieder (ver.di lohnt sich)
  • Eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit in Kliniken in Baden-Württemberg um eine halbe Stunde auf 38,5 Stunden.
  • Eine neue und bessere Regelung für eine Altersteilzeit

wird versucht, den zunehmend stärkeren Wunsch der Beschäftigten nach Entlastung entgegenzukommen.

Anerkennung und Wertschätzung gegenüber systemrelevanten Berufen spiegelt sich auch in den entsprechenden Zulagen wider für:

  • Schichtarbeit
  • Wechselschicht
  • Rufbereitschaft
  • Wochenend- und Feiertagsdienste
  • Nachtschicht
  • Überstunden

Das sind starke Verbesserungen, die für Klinik-Beschäftigte gefordert werden. Nun braucht es starke gewerkschaftlich organisierte Belegschaften in den Kliniken, die mit dafür sorgen, sie durchzusetzen.

Sei dabei!

Die Zeit ist knapp. Kurze Vollzeit für alle.

Ist die jetzige Tarifrunde ein erster Schritt hin zu einer kollektiven Arbeitszeitverkürzung? Zweifel sind erlaubt und angebracht. Es werden wichtige Maßnahmen zur Entlastung gefordert und auch eine Arbeitszeitverkürzung durch mehr freie Tage. Auch die geforderte Angleichung der Wochenarbeitszeit in den Kliniken in BaWü von 39 auf 38,5, Stunden wären eine Arbeitszeitverkürzung. Dazu kommt das sog. „Meine Zeit Konto“: ein Wahlmodell, dass den Beschäftigten mehr individuelle Freiheit verspricht mit der Entscheidung, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit möchten.

Gleichzeitig sind diese individuellen Wahlmöglichkeiten allenfalls ein erster Schritt hin zu einer kollektiven Arbeitszeitverkürzung für alle. Denn sind wir doch mal ehrlich:

  • Eine Kolleg*in der Entgeltgruppe 2 oder 3 interessiert sich vermutlich wenig für das „Meine Zeit Konto“. Er/sie braucht jeden Cent für den Lebensunterhalt, die steigenden Mieten, die teuren Lebensmittel usw.
  • Bei einem echten Einstieg in eine verkürzte Arbeitswoche mit vollem Lohnausgleich wären diese Kollegen aber vielleicht ganz anders interessiert. Das wäre eine wirkliche Veränderung in ihrem Arbeitsleben.

Und darum geht es auch: eine kollektive Arbeitszeitverkürzung gewährleistet, dass mehr Zeit nicht ein Privileg für Besserverdienende ist, sondern für alle zugänglich und machbar.

Nichtsdestotrotz ist die jetzige Variante zumindest eine Befeuerung der Debatte um eine Arbeitszeitverkürzung für alle. Viel Zeit bleibt ohnehin nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert. Da gibt es die sog. Generation Z, die ihre Ansprüche für mehr Zeit fürs Leben, die sog. work life balance formuliert oder sich einfach nur den herkömmlichen Leistungsvorgaben verweigert. Warum auch nicht. Ihre Fragen und Argumente sind klar und überzeugend:

Weshalb sollte es attraktiv sein, bis ins Rentenalter in Vollzeit zu schuften? Für mehr Konsum, eigenes Auto, Urlaub, das eigene Haus? Auf Kosten der eigenen Gesundheit?

Angesichts der fortgeschrittenen Klimakrise und der politischen Unsicherheiten wollen junge Leute nicht mehr warten und arbeiten für ein besseres Leben irgendwann. Sie wollen es jetzt.

Und die einzelnen Projekte und Versuche einer erfolgreichen Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung in Deutschland (siehe im newsletter das Beispiel Hannover) und auf europäischer Ebene geben ihnen recht.

In Island wurde im öffentlichen Dienst die Arbeitszeitverkürzung erfolgreich durchgesetzt. In Spanien und England gab es ebenfalls eine Vielzahl von Projekten mit gutem Ergebnis.

Also: Bleiben wir dran!